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Diagnostik des PCOS


Anamnese und körperliche Untersuchung


Die Anamnese einer Patientin mit PCOS soll den Vorstellungsgrund (Periodenstörung, Hyperandrogenämie, Kinderwunsch oder Adipositas/ Metabolisches Syndrom) klären und erste diagnostische und differentialdiagnostische Hinweise geben (Tab. 1). Bei der körperlichen Untersuchung wird besonders auf die Zeichen eines Metabolischen Syndroms (Adipositas, arterielle Hypertonie, Xanthome, Acanthosis nigricans) und der Hyperandrogenämie (Hirsutismus, Akne, Seborrhoe, Alopezie) geachtet.

Zur Quantifizierung des Hirsutismus empfiehlt sich der Score nach Ferriman und Gallwey.

Siehe auch: Diagnostik der Insulinresistenz, Diagnostik des Metabolischen Syndroms

Anamnese zur Diagnostik und Differentialdiagnostik
Zyklusstörung Beginn und Verlauf von A- oder Oligomenorrhoe, Einnahme von Kontrazeptiva, Schwangerschafts- und Geburtenanamnese, Kinderwunsch, aktuelle Schwangerschaft?, Galaktorrhoe
Pubertätsentwicklung Größenwachstum, Menarche, Anorexie, Bulimie
Hyperandrogenämie Hirsutismus, Akne, Seborrhoe, Haarausfall, sonstige Veränderungen an Haut (trocken?) und Haaren (stumpf?)
Virilisierung (spricht gegen PCOS) Vergrößerung der Schamlippen, Klitorishypertrophie, Veränderung der Stimmlage
Metabolisches Syndrom bekannter Diabetes mellitus, Heißhunger, Beginn und Verlauf einer Adipositas, Atherosklerose (koronare Herzkrankheit, Nephrosklerose, Retinopathie, periphere arterielle Verschlußkrankheit, Apoplex), art. Hypertonus, Fettstoffwechselstörung
Allgemeines/ Differentialdiagnosen Leistungsfähigkeit, Muskelkraft, körperliche Bewegung, Leistungssport, schwere körperliche oder seelische Belastung, Sehstörungen (Gesichtsfeldausfälle), Libido
Medikamentenanamnese Kontrazeptiva, Antidiabetika, Antihypertonika u.a.
Familienanamnese PCOS, Metabolisches Syndrom
Tabelle 1: Anamnese zur Diagnostik und Differentialdiagnostik

Labordiagnostik


Bei Oligomenorrhoe empfiehlt sich als Entnahmezeitpunkt der hormonellen Parameter die frühe Follikelphase (Tag 3.-5.). Die basale Diagnostik umfasst die Bestimmung des LH, FSH, Östradiol, Testosteron, Androstendion, DHEAS, 17-OH-Progesteron und SHBG im Serum.

Beim PCOS findet sich üblicherweise ein erhöhtes LH bei normwertigem FSH, dementsprechend ist der LH/FSH Quotient häufig größer als 2. Das Östradiol ist üblicherweise hochnormal. Die Androgene (Testosteron, Androstendion, DHEAS) sind mäßig erhöht, sehr hohe Werte lassen differentialdiagnostisch an einen androgenbildenden Ovar- oder Nebennierentumor denken. Das SHBG ist üblicherweise niedrig, so dass der freie Androgen-Index (FAI) erhöht ist. Als Parameter der Hyperandrogenämie sollten entweder der freie Androgenindex oder das berechnete freie Testosteron herangezogen werden. Diese berechnen sich wie folgt:

FAI= total (gesamt) Testosteron (nmol/l) / SHBG (nmol/l) x 100.
(Freies Testosteron und bioavailable Testosteron.)

Besonders bei Patientinnen mit Kinderwunsch empfielt sich auch die Bestimmung des postovulatorischen Progesterons. Aufgrund der fehlenden Follikelreifung sind die Progesteronwerte beim PCOS typischerweise niedrig. Beim 17-OH-Progesteron findet sich im Nachweis erhöhter Werte eine Überlappung mit dem heterozygoten adrenogenitalen Syndrom (hAGS, siehe unten).

Da das PCOS definitionsgemäß eine Ausschlussdiagnose ist, sind entsprechende weiterführende Laborbestimmungen unerlässlich (Tab. 2).
Übersicht der Differentialdiagnostik des PCOS
Diagnose Diagnostik
Adrenogenitales Syndrom 17-0H Progesteron
Hyperprolaktinämie/Prolaktinom Prolaktin
Morbus Cushing/ Cushing Syndrom Cortisol Serum + Urin, Dexa-Test
Gonadotrope Hypophysenfunktionsstörung LH, FSH, Östradiol
Androgenbildende Nebennierentumore DHEAS, DHEA, Testosteron
Androgenbildende Ovarialtumore Testosteron
Primäre Ovarialinsuffizienz LH, FSH, Östradiol
Postmenopausaler Hirsutismus LH, FSH, Östradiol
Hypothyreose TSH, ggf. fT4, AK
Tabelle 2: Übersicht der Differentialdiagnostik des PCOS

Ultraschall


Polyzystische Ovarien liegen vor, wenn im gynäkologischen Ultraschall mindestens ein Ovar ein Volumen von mindestens zehn Milliliter und/oder mindestens 12 Follikel von jeweils zwei bis neun Millimeter aufweist.

In einer systematischen Untersuchung der Schilddrüsenfunktion bei PCOS (Janssen et al. EJE) ergab sich eine 3-fach erhöhte Prävalenz einer Autoimmunthyreoiditis (AIT) im Vergleich zu einem Kontrollkollektiv gleichen Alters. PCOS-Patientinnen stellen ein Risikokollektiv für das Auftreten von Autoimmunthyreoiditiden dar. Ein Screening auf das Vorhandensein einer AIT scheint daher bei allen Betroffenen sinnvoll. Hierzu gehört, neben der laborchemischen Bestimmung des TSH Wertes und der TPO-Antikörper, die Durchführung einer Schilddrüsensonographie.